GR 20 Korsika (2010) – Eindrücke

Es geht los!

09.08.2010, 06:00 Uhr, die Reise beginnt. Mit dem Auto geht es über den Gotthard-Pass richtung Livorno, wo wir noch am gleichen Abend unsere Fähre besteigen.

Wir fahren nachts, das macht die Sache ungemein billiger. 180 € (60 €/Person) zahlen wir insgesamt für die Überfahrt von Livorno nach Bastia.

Corsica Ferries

Sonnenuntergang auf hoher See…

Wir fahren mit Corsica Ferries durch die Nacht und kommen um Mitternacht in Bastia an. Wir hatten schon in Livorno mehrere Stunden auf die Fähre gewartet und jetzt kamen noch weitere 8 Stunden dazu. Der Bus (20 € + 1 € für Gepäck) nach Conca, unserem Startpunkt, fährt um 08:00 Uhr. Das bedeutet: Zeit totschlagen auf Bastias großem Stadtplatz, direkt am Hafen.
Dabei kommt man schon mal auf die Idee, zu schätzen, wieviel Meter man zurücklegen müsste, um den Platz zu umrunden und dann die Schätzung zu überprüfen, indem man mit dem GPS einmal um den Platz läuft.

10.08.2010, 05:30 Uhr.
Nach einer schlaflosen Nacht auf kaltem Betonboden machen wir uns verkrampft auf die Suche nach einem Bäcker. Erfolglos laufen wir durch die Straßen, mit dem Gefühl, dass sich alle Türen schließen, sobald wir um die Ecke kommen. Menschen mit Baguettes in der Hand verschwinden in Häusern, Türen schließen sich…wir geben auf und haben keine Lust, weiter in die Stadt vorzudringen.

10.08.2010, 08:00 Uhr
Mein „Ich habe 24 Stunden nicht geschlafen“ Blick

Seit unserer Abfahrt in Deutschland haben wir eine Stunde geschlafen – auf dem Platz in Bastia. Jetzt sitzen wir im Bus nach Conca. Natürlich hat der Bus keine Klimaanlage und natürlich bin ich derjenige, der auf der Sonnenseite sitzt. Die Fahrt dauert ca. vier Stunden, was durchaus etwas damit zu tun hat, dass der Busfahrer in jedem Dorf seine Buddies begrüßt, sich Käffchen und Zeitung besorgt etc.
Südländische Mentalität eben. Und wo es keinen Fahrplan gibt, da muss man sich ja auch nicht dran halten. Unserem mit Touristen gefüllten Bus ist das alles sowieso egal. Wer nicht schläft, der schwitzt.

10.08.2010, 12:30 Uhr.
Ankunft in Conca. Erstes Ziel: Ein Supermarkt.
Auf Korsika waren Supermärkte unsere erste Anlaufstelle. Und je knapper unsere Vorräte an Süßigkeiten und (in meinem Fall) wertvollem Elixier, sprich Coca-Cola waren, desto öfter mussten wir an prallgefüllte Supermarktregale denken, in denen es alles gab, was wir in jenem Moment nicht haben konnten.

Conca: Wir kaufen soviel ein, dass es für eine Woche reicht, bzw. soviel, dass es unseren Vorrat von Zuhause so weit aufstockt, dass dieser eine Woche hält. Fisch in Dosen, Salat in Dosen, Cola in Dosen, Senf in Tuben, Gas in Metallbehältern.
Man hätte meine können, wir seien bescheuert, schließlich wogen unsere Rucksäcke schon 15+ Kilogramm, aber was tut man nicht alles für ein paar Leckereien.
Über das Gewicht der Rucksäcke machten wir uns jedoch keine Sorgen. Wir waren davon überzeugt, dass unser Magen uns bei der Entleerung unserer Rucksäcke behilflich sein würde und Kraft hatten wir ja auch genug.

13:30 Uhr.
Wir machen uns auf den Weg zur ersten Hütte. Die asphaltierte Straße nervt uns, weil sich darauf die Schuhsohlen sehr schnell abnutzen. Doch wir haben Glück. Nach starken fünf Minuten wird uns eine Mitfahrgelegenheit in Form eines Shuttlebusses angeboten.
2 € bis zur Hütte. Aus Rücksicht auf unsere Schuhe (keinesfalls natürlich aus Faulheit…) nehmen wir dankend an.
Kurze Zeit später kommen wir bei der Hütte an. Wir spielen Karten und essen.
Wir treffen einen Italiener, dem wir noch oft begegnen würden.
Der nächste Sonnenaufgang wird unser Startsignal sein.
Björn

Unser Startpunkt in Conca. Die erste Refuge.

Die Wanderung Beginnt

Vorweg:
Wir entschieden uns gegen den üblichen Nord-Süd-Trend, den Weg von Conca (Süden) nach Calenzana (Norden) zu laufen. Eine Route, die wir im Nachhinein nur wärmstens empfehlen können. Von Süden aus bekommt man einen guten Einstieg, die Berge sind nicht allzu hoch. Richtung Norden werden die Gebirge höher, die Wege steiler und die Aussichten spektakulärer, ganz nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss.
Nur heiß und schwül ist es im Süden und das Wetter scheint dort instabiler zu sein, als im Norden (auch in anderen Berichten kann man ähnliches lesen) Ja, das Wetter…

Dieser Bericht ist nicht in Etappen gegliedert, da wir manche Etappen gedoppelt haben, oder durch höhere Gewalt aufgehalten wurden. Ich habe einfach ab dem ersten Wandertag in Conca die Tage aufgezählt bis wir in Calvi ankamen. Meistens fällt aber einer der unten gegliederten Tage auf eine Etappe.
Aber nun genug der Infos…

Tag I
Start: Conca (300 m.), 11.08.2010, 06:00 Uhr

Wir starten früh und sind die ersten, die die Hütte verlassen. Die Luft ist warm, der Himmel klar. Wir laufen auf asphaltierter Straße, bis wir den Anfang des Weges erreichen. Kein Asphalt, nur Steine, Staub und Geröll. Wie lange haben wir darauf gewartet.
Wir glauben zu ahnen, was auf uns zukommt. Der Himmel wird  hell. Ein freudiges erwartungsvolles Grinsen liegt auf unseren Gesichtern, als wir mit unseren Schuhen den ersten Schritt abseits der Straße setzen. Es beginnt.
Der Morgen des ersten Tages…

Der erste Anstieg dient dem Schuhtest. Ich muss meine Fersen mit Tape abkleben um keine Blasen zu bekommen. Sie haben sich noch nicht ganz an meinen Fuß angepasst. Die Anderen haben keine Probleme. Wir erreichen den ersten Kamm und können uns ein
Grinsen nicht verkneifen. Der Ausblick ist fantastisch. Nach einem schnellen ersten Frühstück geht es mit der Morgensonne im Gesicht Richtung Gebirge. Die Gipfel sind noch von Wolken umschlossen, die Landschaft noch grün. Es wird nun deutlich wärmer. Unsere Pausen an diesem ersten Tag sind noch lang, was auch damit zu tun hat, dass ich nicht ganz so fit bin, wie meine Freunde.
8-9 Liter Wasser werde ich am Ende dieses Tages verbraucht haben – 6 Liter mehr als meine Mitläufer. Mein Bedarf nach Wasser ist astronomisch hoch und ohne selbiges gehen bei mir ganz schnell Kraft- und Ausdauerwerte in den Keller.

Bei einer Pause treffen wir einen weiteren Deutschen, der schon mehrmals hier war und ein Gruppe junger Franzosen. Beiden werden wir auf dieser Wanderung noch öfter begegnen.

Gegen Ende des ersten Tages beginnen wir dem Autor unseres Guidebuches, dessen Namen ich auch nicht nennen würde wenn ich ihn nicht vergessen hätte, leicht zu… misstrauen. Der gute Mann hat wohl einfach die letzten fünf Kilometer der ersten Etappe in seinem Buch vergessen. Schon am ersten Tag verliert das Buch seinen Status des verlässlichen Ratgebers. Jetzt muss die Karte herhalten. Die Karte hat uns im Nachhinein übrigens nie im Stich gelassen.

Wir kommen relativ spät (ca. 16:00 Uhr) an der Refuge an. Joe und Björn kochen sich Suppe und wir schlagen die Zeit mit Kartenspielen tot, die zu diesem Zeitpunkt noch strahlen weiß sind.
Ich bin nicht an einem Kocher oder einem warmen Essen interessiert. Das Gewicht des Kochers und der Reinigungsaufwand für Töpfe und Teller sind mir einfach zu groß. Mir reichen meine mitgebrachten Sachen…getrocknete Früchte, Brot, Fisch, Wurst etc..
Um 21:00 Uhr entscheiden wir uns, schlafen zu gehen.

Tag II
Start: Refuge de Paliri (1055 m.), 12.08.2010, 06:00 Uhr


Wir halten uns an unseren Plan: Aufbruch um sechs Uhr. Es geht bergauf, bestes Terrain für meine Freunde, die solche Bergauf-Märsche lieben. Ich hingegen, 100 Kg schwer und mit weiteren 15 Kg beladen, hasse harte Steigungen,  kann dafür aber stundenlang geradeaus laufen ohne müde zu werden oder mich zu langweilen.

Um 11:00 kommen wir am Col de Bavella an, wo wir feststellen müssen, dass der Weg aufgrund eines Waldbrands vorübergehend geschlossen ist. Zwar hoffen wir darauf, dass wir noch am selben Tag weiterlaufen können, doch werden wir enttäuscht.
Dennoch spielen Joe und Björn mit dem Gedanken, die Polizei zu umlaufen, um die Etappe beenden zu können. Ich stelle mich dagegen. Nach kurzer Zeit und einer Diskussion über die Gefährlichkeit von Waldbränden beschließen wir dann, auf dem Col de Bavella zu übernachten.
Die Polizisten erlauben uns freundlicherweise, unser Zelt auf einer Wiese in der nähe aufzubauen. (Wildcampen ist verboten, gerade wegen der Waldbrandgefahr).
Löschflugzeuge…

Den Rest des Tages verbringen wir mit Kartenspielen.

Unsere indirekten Weggefährten, der Italiener und die jungen Franzosen, entscheiden sich, die nächste Etappe mit dem Taxi zu überspringen. Es war nicht unser letztes Treffen.

Wir schlafen in dieser Nacht nicht in unserem Zelt, sondern unter klarem Sternenhimmel. Uns fallen die vielen Sternschnuppen auf, die ausnahmsweise einmal nicht von der Zahl der leuchtenden Satelliten übertroffen werden.
Später in der Nacht werden wir von plötzlichem Regen aus dem Schlaf gerissen. Wir fragen uns heute noch, wie wir im Halbschlaf unser Zelt so schnell aufbauen konnten…

Tag III
Start: Col de Bavella (1218 m.), 13.08.2010, 09:00 Uhr

Wir stehen spät auf und gönnen uns eine heiße Schokolade. Danach begeben wir uns erneut zu den Polizisten, die uns erzählen, der Weg würde in ein paar Stunden geöffnet werden.
Wir warten und werden belohnt. Der Weg wird geöffnet und wir marschieren los.
An diesem Tag haben wir zwei Möglichkeiten.
Die eine Möglichkeit ist der normale GR 20, der durch ein sehr langes Tal hinauf zur nächsten Hütte führt.
Die Andere ist eine alpine Variante des GR 20, die uns auf den Kamm führt, der Parallel zum Tal verläuft und dann wieder unterhalb der Hütte mit dem eigentlichen Weg zusammentrifft. Die Entscheidung, welchen Weg man gehen sollte ist schnell getroffen als wir in unserem Tourführer das Wort „Klettersteig“ finden.
Der im Buch erwähnte Klettersteig entpuppt sich später als eine an einem Felsen befestigte Stahlkette, die etwa 15 Meter lang ist. Wenn der Fels trocken ist, hat man allerdings (mit guten Schuhen!) so viel Grip, dass man 14 Meter der Kette getrost neben sich liegen lassen kann.
Josephs Salewa Schuhe…

Der Anstieg vom Col de Bavella ist wahnsinnig Steil, jedoch vernichten wir auf diesem Weg in kürzester Zeit mehrere Hundert Höhenmeter. Dann ein kleiner Kamm, der uns wieder kurz bergab führt. Meine Freude ist von kurzer Dauer, denn weil’s so schön war, geht es noch einmal mehrere Hundert Höhenmeter bergauf. Jaa, wandern ist toll…

Auf dem GR 20 gibt es eine Regel:
Sowohl auf einen Anstieg wie auch auf einen Abstieg folgt ein Anstieg.

Während wir auf dem Pass Mittagspause machen rauschen an der dem Meer zugewandten Seite des Berges die Wolken den Fels hinauf. Eine gute Stunde später laufen wir weiter. Während der Mittagspause sehen wir einen Helikopter in den hinteren Teil des Tals fliegen – wir sind neugierig.
Es ist ein relativ langer, angenehmer Abstieg zum Grund des Tals. Auf halber Strecke kommen wir an der Stelle vorbei, an der es am Tag zuvor gebrannt hatte. Es wimmelt noch von Feuerwehrleuten, das Feuer selbst ist jedoch gelöscht. Wir groß die verbrannte Stelle war, war an dem Hang relativ schwer einzuschätzen. Vielleicht ein halbes Fußballfeld.
Wir können bereits die Hütte sehen. Im Tal angekommen, folgt wieder ein Aufstieg zur Hütte, nichts wildes, nur etwa 45 Minuten.

Die Zeltplätze an dieser Hütte sind stark verstreut und man sollte früh ankommen, denn es gibt nicht viele Plätze. Denn zu den normalen GR-Wanderern kommen noch Tagestouristen aus den meernahen Touristenorten.
Auch sollte man sich vor den Pferden in Acht nehmen. Die Fressen alles, auch GPS-Geräte, Besteck und Handys. Nur so als Tipp…

An diesem Abend wird es zum ersten Mal relativ kalt. Aber zwei Flaschen Wein beheben dieses Problem. Die Aussicht ist großartig.

Tag IV
Start: Refuge d’Asinao (1536 m.), 14.08.2010, ~06:00 Uhr.

Es ist noch dunkel als wir uns auf den Weg machen. Wieder sind wir die ersten, was sich im laufe des Tages noch auszahlen sollte. Keine Sonne weit und breit, der Himmel ist nur ein grauer Brei und in der Ferne, im Süden, hören wir ein dumpfes Grollen und sehen Blitze. Gewitter…die Wolken ziehen in unsere Richtung. Wir beeilen uns.

Um 07:15. Eine Stunde und 600 Höhenmeter später kommen wir auf dem Punta di Valli Tremuli (2134 m.) an. Das Gipfelkreuz aus Beton liegt flach auf dem Gipfel, von Erhabenheit keine Spur.

Das Gewitter, Regen und Wind sind inzwischen bei uns angekommen. Wir spannen unsere Regenschutze auf die Rucksäcke und suchen Unterschlupf unter einem großen Stein. Keiner von uns verspürt das Bedürfnis während einem Gewitter als lebender Blitzableiter auf einem Kamm zu laufen. Also warten wir.
Es dauert nicht allzu lange, da ist das Gewitter auch schon wieder weg und bläulicher Himmel erscheint über den Gebieten, die wie an diesem Tag noch durchqueren müssen. Hinter uns allerdings, auf der anderen Seite des Berges, regiert das Grau.

Nach kurzer Wasser- und Essenspause geht es weiter. Eine kleine Quelle befindet sich direkt neben dem Weg, wenn man absteigt. Das Wasser, wie immer, ist hervorragend. Inzwischen sind wir wieder auf 1600 Meter angelangt. Das Wetter scheint sich zu bessern, die Landschaft ist großartig. Doch es sollte nicht so bleiben.
Kurz danach machen wir uns nämlich daran, unsere Regenschutze von unseren Rucksäcken zu entfernen, als es plötzlich wieder anfängt zu regnen und zwar stark. Hastig packen wir unsere Sachen ein und ziehen den Schutz wieder über die Rucksäcke.
Die folgenden drei Stunden sollten in die „Hall of Fame“ unserer Erinnerung eingehen…

Ca. 11:15. Nur zwei Minuten nach unserer hastigen Packaktion stehen wir im Starkregen und mitten im Gewitter. Mein imprägniertes Windschell gibt nach fünf Minuten auf. Ich bin ein Idiot und habe folglich keine richtige Regenjacke dabei. Die anderen haben gute Regenjacken. Regenhosen hatte nur Joseph dabei. Allerdings kam der Regen so schnell, dass er sie nicht mehr anziehen konnte. Wir entscheiden uns, keine Pause zu machen. Der Weg führt uns in einen sehr lichten Wald. Es geht bergauf. Kleine Ströme aus Regenwasser fließen uns entgegen, die mit jeder Minute größer werden. Wildschweine rennen verstört durch die Gegend. Da wir keine Regenhosen haben fließt das Wasser munter an den Hosen entlang in die Schuhe. Ich bin inzwischen völlig durchnässt, was mir aber egal ist, solange der Inhalt meines Rucksackes, sprich Kamera und Ersazklamotten, trocken bleibt. Wir laufen nun mitten in einem Gewitter, inklusive Sturm und Starkregen.

Ca. eine Stunde laufen wir durch das Gewitter, dann lässt das blitzen und Donnern nach. Regen und Wind jedoch, sind immer noch da und haben keineswegs nachgelassen. Einige Zeit später lichtet sich die Landschaft und die Bäume um uns herum, jedenfalls die, die wir im Nebel sehen können, verschwinden allmählich. Es regnet immer noch und der Wind ist stärker geworden.

Der Wind macht mir allerdings am wenigsten zu schaffen, nicht allein deswegen, weil ich meinen Mitwanderern um gute 25 – 30 Kilogramm überlegen bin. Björn hat schon ein bisschen mehr zu kämpfen.  Es ist eher die Kälte, in Kombination mit Wind und Regen, die die Sache beschwerlich macht. Josephs Uhr zeigt stolze 2°C, was einem Temperatursturz von ca. 20+ Grad entspricht. Es ist August wohlgemerkt.
Meine Uhr hatte inzwischen den Geist aufgegeben. Die Temperaturunterschiede im Gewitter waren zu groß. Jetzt habe ich Wasser in meiner Uhr.

Als wir die ersten Kämme erreichen, an denen der Wind am stärksten ist, treffen wir eine Gruppe Franzosen. Alle schätzungsweise zwischen 50 und 60 Jahren. Sie haben ihre Teleskopstöcke in der Hand, zur Stabilität, was sich als schwierig herausstellt, da es auf diesem Abschnitt mehrere Stellen gibt, an denen man beide Hände zum Klettern braucht. Wir bieten unsere Hilfe an, die dankend angenommen wird. Björn und ich sprechen kein Französisch. Eine Frau aus der Gruppe spricht sehr gut Englisch. Es hätte aber auch ohne Verständigung funktioniert. Auch zwei Engländer, die wir schon auf der alpinen Route nach dem Col de Bavella getroffen hatten, bieten ihre Hilfe an. Wir sagen sie könnten ruhig weiterlaufen. Das gröbste sei ja überstanden und die Hütte könne nicht weit sein.  Gute zwei Stunden sind wir damit beschäftigt, der 5er-Gruppe zu helfen. Dann erreichen wir schließlich die Hütte.
Nach dem Inferno…

Unsere Sachen sind durchnässt, es ist kalt. Die Klamotten im Rucksack sind glücklicherweise größtenteils trocken geblieben. Die Hütte hat einen kleinen beheizten Raum, in dem man seine Sachen trocknen kann. Dort trifft man auch viele interessante Leute, mit denen man sich meistens in Englisch unterhalten kann.  Die Franzosen, denen wir geholfen hatten spendieren uns eine willkommene warme Mahlzeit und etwas zu trinken und bedanken sich noch einmal.
Eine schöne Geste.

Tag V
Start: Refuge d’Usciolu (1805 m.), 15.08.2010, 09:00 Uhr.

Das Wetter hat sich glücklicherweise wieder beruhigt. Unter strahlend blauem Himmel geht es los. Die Schuhe sind immer noch nass. Meine Freunde laufen mit Gore-Tex Schuhen, die normalerweise etwas schneller trocknen. Ich laufe mit Volleder-Schuhen, die sich am Tag zuvor mit Wasser vollgesaugt hatten.
Vom Weg aus hat man einen schönen Blick aufs Meer und auf die Berge, die noch kommen. Wir treffen die Franzosen vom Vortag wieder. Wir sind überrascht, wie schnell sie unterwegs sind.

An diesem Tag machen wir eine lange Mittagspause, um unsere Sachen in der Sonne zu trocknen. Schlafsack, T-Shirts, Schuhsohlen, Boxershorts, alles kommt in die Sonne.

Wir entschließen uns an diesem Tag, nicht dem GR-20 bis zur Refuge de Prati zu folgen, sondern vorher auf den Mare a Mare centra abzuzweigen und von diesem wieder auf einen eingezeichneten breiten Waldweg. Unser Ziel ist der Col de Verde. Laufweg: 8-10 Kilometer. Wir bereuen später die Entscheidung auf den Waldweg gewechselt zu haben, denn darauf zu laufen ist anstrengend weil der Boden sehr hart ist. An den Bäumen über uns hängen komische Gebilde, die wir irgendeiner Spinne oder einem Vogel zuweisen.
Die Kollegen gibt’s überall…

Nach neun Stunden, um 18:00 Uhr kommen wir am Col de Verde an. Und wir freuen uns darüber, dass es dort heiße Duschen gibt. Heiße Duschen. Zu toppen wäre das nur mit einem Supermarkt gewesen.

Wir treffen den Italiener und die jungen Franzosen vom Col de Bavella wieder, die sichtlich erstaunt sind, uns hier zu treffen. Schließlich hatten sie eineinhalb Etappen mit dem Taxi übersprungen.

Nach der heißen Dusche gibt’s lecker Süppchen und dann wird geschlafen.

Tag VI
Start: Col de Verde (1289 m.), 16.08.2010, 8:00 Uhr

Auch an diesem Tag doppeln wir zwei Etappen. Unser Ziel an diesem Abend ist Vizzavona. Der Ort liegt ungefähr in der Mitte des GR 20 und es fahren Züge nach Corte, wo man im Supermarkt einkaufen kann.
Von der übertriebenen Größe Vizzavonas auf der Karte sollte man sich nicht täuschen lassen. Der Ort besteht aus ein paar Häusern, einem Hotel und dem Bahnhof, wo es auch einen kleinen Laden und einen kleinen Campingplatz gibt. Allerdings ist das Einkaufen im Laden ziemlich teuer, was übrigens auch auf die Hütten zutrifft.
Die Refuges, die von Frauen geführt wurden, waren stets sauberer und billiger als die der Männer!

An diesem Tag gibt es wieder die Möglichkeit, eine alpine Variante zu laufen. Da meine Schuhe jedoch immer noch nass sind und das nur zu einem Haufen Blasen führen würde, entscheide ich mich, dem normalen Weg zu folgen. Also teilen wir uns auf. Ich und Björn gehen den normalen Weg und Joe geht alleine die alpine Variante. Sicherheitstechnisch nicht die schlauste Idee…

Unser Weg: ein Traum. Es geht über weichen, ebenen Waldboden. Größtenteils im Schatten. Genau mein Terrain. Nur kurz vor den Bergeries kommt ein kurzer Anstieg.   Wir rasen durch den Wald, begleitet von Musik aus unseren Rucksäcken.
Ungefähr zwei Stunden und 11 Kilometer später erreichen wir die Bergeries de Capanelle, der Ort, an dem die alpine Route wieder auf den GR 20 trifft.
Das ist die alte Hütte. Hudert meter weiter unten ist die Straße und die Bergerie…

Drei Stunden später kommt auch Joe an. Ich hatte ihm meine Kamera mitgegeben. Während wir im T-Shirt durch den Wald gerast sind, ist er eingepackt in Jacke und Mütze auf den Gipfel des Monte Renoso (2352 m.) geklettert. Auf dem Gipfel zeigt seine Uhr 2°C an.
Joe auf dem Monte Renosso

Wir wussten, dass dazu noch ein starker Wind gekommen sein musste, denn wir konnten von den Bergeries dir Wolken über die Berge rasen sehen.

Der Weg nach Vizzavona zieht sich an diesem Tag hin. Allerdings kommen wir an dem Schild vorbei, auf das wir sehnlichst gewartet hatten. „GR 20 Nord“. Nach neun Stunden kommen wir in Vizzavona an.

Am nächsten Morgen wollen wir den Zug nach Corte nehmen.

Tag VII
Start: Vizzavona, 17.08.2010

An diesem Tag fahren wir nach Corte mit dem Zug. Der ist natürlich voll und so werden wir gezwungen ein bisschen mehr als eine Stunde zu stehen. Aber was solls, die Fahrt durch die Berge bietet eine fantastische Aussicht.

Als wir in Corte ankommen werden wir, oder jedenfalls ich, von der Hitze erschlagen. Ca. 15°C mehr sind es hier als in Vizzavona, wo es, wie auch auf den anderen Hütten, nachts schon relativ kalt wurde.
Die Burg von Corte…
Unsere Schuhe sind immer noch nicht ganz trocken…

Wir melden uns an einem Campingplatz an, den wir schon 2009 auf einer Klassenfahrt besucht hatten, legen unsere Sachen ins Zelt und machen uns auf den Weg zum Supermarkt, mit der selben Stimmung, die kleine Kinder haben, wenn sie in den Erlebnispark fahren. Für gute 25 € kann man seinen Rucksack bis zum Rand auffüllen.

Am Abend gibts Pizza im Restaurant „A Casuccia“, wo man eine große und sehr leckere Pizza für 10 € bekommt.
Die allgegenwärtige Flagge…

Tag VIII
Start: Corte, 18.08.2010

Wir machen uns auf den Rückweg nach Vizzavona. Die Wartezeit am Bahnhof verbringen wir damit unsere inzwischen getrockneten Schuhe wieder Wasserfest zu machen mit Spray und Wachs.
Meine frisch gewachste Schuhe…

Wir campen an diesem Abend im Wald, nicht weit von Vizzavona, um Geld zu sparen.

Tag IX
Start: Vizzavona, 19.08.2010, ~06:00 Uhr

Wir starten diesmal wieder früh. Es dämmert noch nicht einmal richtig, als wir loslaufen. An diesem Tag teilen wir uns wieder auf. Joseph und Björn wollen eine alpine Route laufen, die über den Monte d’Oro (2389 m.) führt. Ich entscheide mich für den normalen GR 20, weil ich mich an diesem Tag der Herausforderung einer alpinen Etappe nicht gewachsen fühle. Außerdem macht mein Knie Probleme. Sobald wir eine Pause einlegen, wird mein rechtes Knie kalt und steif und muss dann wieder 15 Minuten „warmgelaufen“ werden. Deshalb versuche ich, möglichst keine, oder kurze Pausen zu machen.

Wir trennen uns, als es noch dunkel ist. Meine Petzl-Kopflampe leistet wie immer gute Dienste. Der Weg führt ein Tal hinauf bis zum Pointe Muratello (2020 m.)
Vom Pointe Muratello kann man die nächsten 2 1/2 Etappen mit bloßem Auge sehen.
Der Ausblick ist gigantisch. Definitiv eine der schönsten Stellen des GR 20.
Hier sieht man bereits den Weg der nächsten 2 1/2 Etappen (alpine Variante) in der Mitte des Bildes. Die übernächste Hütte befindet sich an dem großen Berg im Hintergrund, den es bei der dritten Etappe zu überqueren gilt…
Muratellu…
Perspektive…

Nach drei Stunden treffen auch Joe und Björn ein. Joe geht es nicht gut. Er hat Magenbeschwerden. Nachdem wir uns aufgeteilt hatten, sind sie ein Stück gelaufen, dann allerdings nach einer langen Pause umgekehrt und den normalen Weg gegangen.

Vom Pointe Muratello folgt ein langer Abstieg bis zur Refuge de l’Onda. Die Refuge liegt in einem Tal. Nachts kann man den Mond sehen, der über den Bergen aufgeht.

Tag X
Start: Refuge de l’Onda, 20.08.2010, ~08:00 Uhr

Wieder besteht die Möglichkeit, eine alpine Route zu wählen. Diesmal laufe auch ich wieder mit. Der normale Weg führt durch ein Tal. Die Alpine Route führt über mehrere Bergkämme. Von der Refuge de l’Onda folgt ein steiler Anstieg, danach, auf den Kämmen, wir der Weg ebener. Allerdings gibt es hier mehrere Stellen an denen man ein bisschen rumklettern muss. Die Route ist jedoch absolut fantastisch, allein wegen der Aussicht, die man auf fast der gesamten Länge der Etappe genießen kann.
Was man nicht so alles mit sich herumträgt…

Das Wetter lässt an diesem Morgen wieder zu wünschen übrig. Wir nehmen an, dass uns der Regen wieder aufs neue erwischt, wie das auf unsere Etappe von der Refuge d’Asinao zur Refuge d’Usciolu der Fall war (Tag IV). Wir haben jedoch Glück. Das Wetter bleibt trocken und im laufe des Tages verziehen sich die Wolken wieder.

Das Ziel dieser Etappe ist die Refuge de Petra Piana. Die Hütte wird von einer Frau geführt und ist billiger als die anderen, was Lebensmittel betrifft. Die Übernachtungen im eigenen Zelt, sprich ein Zeltplatz kosten 5 €/Person, auf allen Hütten. Ein guter Deal.
Auch die Duschen sind gut und sauber aber schweinekalt. Wer ohne warme Duschen nicht überleben kann, ist auf diesem Weg fehl am Platze. Es gibt auch genügend Zeltplätze.

Wie so oft kommen wir viel zu früh an (13:30 Uhr). Die Sonne hier oben ist stark. Ich hoffe, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Meine Freunde müssen sich über sowas keine Gedanken machen. Life’s unfair…

Wie so oft bei gutem Wetter, entscheiden wir uns (an diesem Tag nur Björn und ich), draußen vor dem Zelt zu schlafen. Der Nachthimmel hier oben ist fantastisch. Nicht so überleuchtet wie in Stadtgebieten. Es ist kalt.

Tag XI
Start: Refuge de Petra Piana, 21.08.2010, ~06:30 Uhr

Dieser Tag sollte der längste und anstrengendste unserer gesamten Reise werden.
Vor uns liegen 2 Etappen: Die laut Buch anspruchsvollste und längste des GR 20.
Unser logischer Entschluss: Wir doppeln!

Nach einem Blick auf die Karte schätzen wir unser Vorhaben jedoch als unrealistisch ein. 35+ Kilometer und über 1000 Höhenmeter müssten wir zurücklegen um die
Refuge Ciuttulu di i Mori zu erreichen. Wir entscheiden uns deshalb, den Col de Vergio anzusteuern, einen Pass, auf dem wir schon 2009 übernachtet hatten, als wir mit der gesamten Klasse auf dem Mare a Mare Nord unterwegs waren. Das Ziel ist gesetzt – Los geht’s.

Von der Refuge Petra Piana folgt ein Anstieg auf den Bocca Muzzella (2210 m.), einem der höchsten Punkte des GR 20. Um 08:00 Uhr kommen wir an. 600 Höhenmeter liegen bereits jetzt schon hinter uns.

In Anbetracht dessen, was noch vor uns liegt, machen wir nur eine kurze 5-Minuten Trinkpause, dann geht’s weiter. Wir steigen ab und auf, auf und ab, an den Seen des GR 20 vorbei, am Lac de Melo und Lac de Capitello. Einer dieser wirklich kleinen Seen soll 42 Meter! tief sein.

Um 09: 40 Uhr kommen wir am höchsten Punkt des GR 20 an. Dort gab es kein Namensschild, weshalb ich mich nicht an den Namen oder die Höhe erinnern kann. Es ist jedoch der höchste Punkt. Wir haben mit dem GPS nachgemessen. Man muss relativ viel durch die Gegend klettern, um den Punkt zu erreichen. Es sind aber Ketten im Fels, die die Sache leichter machen.

Es geht jetzt wieder bergab zur Refuge de Manganu, die an diesem Tag unser eigentliches Ziel gewesen wäre. Um 12:00 Uhr kommen wir bereits dort an. Wir essen etwas und füllen unser Wasser an der Quelle auf. Das Wasser ist eiskalt und schmeckt wahnsinnig gut.

Es geht weiter über eine große Hochebene und vorbei an der kleinen
Bergerie de Vaccaghia, an der sich viele Tageswanderer befinden die von einen anderen Tageswanderweg kommen. Wir machen keine Pause. Erst um 13:00 Uhr, am Fuße des Anstiegs zum Lac de Nino, der jedoch nur 200 Höhenmeter über uns liegt, machen wir eine längere Pause. Danach machen wir uns auf den Weg zum See. Der Weg ist eben und führt über schöne grüne Wiesen. Man kommt hier sehr sehr schnell voran. Hinter uns sehen wir die Berge aus denen wir kamen, wo sich jetzt die Wolkenberge türmen. Wir haben das Gefühl, immer einen Tag vor dem schlechten Wetter gelaufen zu sein.
Hochebene, auf der auch der Lac de Nino liegt…

Wir passieren den Lac de Nino, an dem es eine kleine Quelle und viele Pferde gibt. Leider auch mehr Touristen als sonst. Aber wir sind nur auf der Durchreise. Nach dem
Lac de Nino kommt der Bocca a Beta (1883 m.). Ab jetzt geht es bergab richtung
Col de Vergio. Neun Stunden sind wir zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs.

Eine Stunde später kommen wir zum Col de St. Pierre, dem wohl bekanntesten Punkt des GR 20. Kurze Pause und weiter. Der Weg wird ab hier wieder sehr eben und man kommt schnell voran. Er führt durch den Wald und kreuzt die Straße. Wenn man zum
Col de Vergio will muss man entweder vom Castellu di Vergio der Straße folgen, oder dem GR 20 und dann auf den Mare a Mare abzweigen, der direkt zum Col de Vergio führt.

Um 18:00 Uhr, nach 12 Stunden kommen wir an. Auf dem Pass gibt es eine offene kleine „Hütte“, die eher aussieht wie eine Garage ohne Tor. Dort kann man korsische Spezialitäten kaufen. Die Inhaberin des kleinen Shops erlaubt uns, darin zu übernachten. Das hat sie schon 2009 unserer gesamten Klasse erlaubt. Sie hat uns aber glaube ich nicht wiedererkannt.
Unser Übernachtungsplatz…

Jetzt erstmal Pause. Essen und trinken und dann ab in den Schlafsack. Später, an  die Uhrzeit kann ich mich nicht erinnern, werden wir von einem (sehr höflichen) Förster aus dem Schlaf gerissen. Nur Joseph kann Französisch. Er versichert ihm, dass wir kein Feuer machen und die Erlaubnis der Besitzerin haben. Jedenfalls glaube ich, dass er das gesagt hat…Der Förster verabschiedet sich kurze Zeit später höflich und lässt uns schlafen.

Tag XII
Start: Col de Vergio, 22.08.2010, ~06:30 Uhr

Sonnenaufgang am Col de Vergio…

Früh geht es weiter. Vom Col de Vergio führt der Weg in ein langes Tal und es geht ausschließlich bergauf bis zur Refuge Ciuttulu di i Mori. Meine Kräfte an diesem Morgen sind praktisch nicht mehr vorhanden. Ich schleiche den anderen hinterher. Wasser ist keines mehr da, was bei mir zu totalem Systemausfall und biologischer Muskelkernschmelze führt. Wir erreichen die Refuge jedoch trotzdem relativ früh. Auf dem Weg zur Hütte kann man zum ersten Mal das Meer im Westen Korsikas sehen. Auf der Hütte füllen wir unser Wasser auf. Ich habe immer 3 Liter – 3 1/2 Liter dabei, was sehr viel ist, trinke aber nochmal einen Liter auf Vorrat. Björn und Joseph laufen mit knapp 2 Liter durch die Gegend. Für mich nicht nachvollziehbar wie das funktionieren soll.

Wir gehen weiter. Nach der Refuge geht es bergab, bevor es zur Refuge Tighiettu wieder bergauf geht. Um 14: 30 kommen wir an und lassen den Tag ausklingen.

Tag XIII
Start: Refuge Tighiettu, 23.08.2010, 06:30 Uhr

Eingang zum Cirque de la Solitude…

Auf diesen Tag haben wir uns wohl am meisten gefreut. Heute kommt der
Cirque de la Solitude, der Höhepunkt des GR 20. Eine steile Schlucht, die man auf der einen Seite herunter- und auf der anderen hinaufklettert. Mit einem 15 Kilogramm Rucksack ist das ein gutes Stück Arbeit.

Nach der Refuge erreichen wir um 08:00 Uhr den Bocca Minuta (2218 m.) und dann hinab in den Cirque. Es gibt viele Stellen, die mit Leitern und Ketten versehen sind. Mit guten Schuhen kann man die Ketten beim Aufstieg guten Gewissens außer Acht lassen, da man auf den Felsen genug Grip hat. Ich würde dennoch jedem wärmstens empfehlen, die Ketten in die Hand zu nehmen, denn wenn man da ausrutscht und fällt, dann hält man nicht mehr so schnell an. Und es geht weit bergab. An manchen stellen jedoch ist man auf die Ketten absolut angewiesen und es macht wahnsinnig viel Spaß.
Es ist noch ein sehr weiter Weg nach oben, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht…

Obwohl die Entfernungen klein aussehen, wenn man im Cirque läuft, braucht man ca. zwei Stunden um durch die Schlucht zu kommen. Auf der Anderen Seite erreicht man den
Bocca Tumasginesca (2183 m.). Von dort geht es dann Abwärts nach Haute Asco (1200 m.).

Zu unserer großen Überraschung kommen wir an einem Rest Schnee vorbei, der bis jetzt in den Späten August überdauert hat. Allerdings ist der Schnee knüppelhart.

Schneereste

Wir entscheiden uns, eine alte Route des GR 20 zu laufen, um den langen Abstieg nach Haute Asco zu vermeiden. Auf der Landkarte (1/60 000) ist der Weg nicht als Variante eingezeichnet sondern nur als Pfad. Wir haben anfangs Schwierigkeiten, ihn zu finden, weil wir die Steinhäufchen nicht klar sehen können weil viele sehr klein sind und die Markierungen zum größten Teil ausgebleicht sind. Nach geduldigem Suchen und nachdem Joseph seine Navigationsfähigkeiten zur Schau gestellt hat, finden wir allerdings den richtigen Weg, der sich als sehr schön herausstellt, mit schönen Aussichtspunkten. Wir sind an einem alten rostigen Ski-Lift abgezweigt, die eigentliche Abzweigung hatten wir wohl weiter oben übersehen.
Ich (links),  Björn (mitte) und Joe (rechts)
auf dem alten GR 20. Der Berg hinter uns ist der Monte Cinto, der höchste Berg Korsikas.
800 Meter tiefer und etwas weiter links im Tal hinter uns liegt Haut Asco, wohin wir auf dem aktuellen GR 20 abgestiegen wären.

An diesem Abend wäre unser Ziel die Refuge de Carrozzu gewesen. Da wir jedoch kein Geld mehr haben und Björns Rucksack auseinanderfällt
(die Schulterträger sind aus der Rückwand des Rucksacks gerissen), entscheiden wir uns, nach Bonifatu abzusteigen, auf einen Zubringer-Weg des GR 20. Wir machen eine kurze Pause an der Refuge und treffen die Gruppe der jungen Franzosen wieder. Wir haben sie zu ihrem Staunen nach 2 Tagen Pause in Corte wieder eingeholt.
Von Bonifatu aus folgen wir dem Mare e Monti, bis wir spät abends einen Ort zum Schlafen finden. Eine Kleine Höhle, ungefähr so groß wie eine kleine Garage, bietet Schutz. Es wird schon dunkel als wir anfangen zu kochen.

Tag XIV
Start: Nähe Bonifatu, 23.08.2010, ~08:00 Uhr.

Wir laufen auf dem Mare i Monti, der oberhalb von Calenzana wieder auf den GR 20 führt und steigen ab nach Calenzana. Dort angekommen, geben wir unsere letzten Euro für Verpflegung aus und machen uns auf den Weg nach Calvi. Jetzt erst fällt uns auf, dass wir unseren Plan völlig durcheinander geworfen haben, weil wir zu schnell waren. Die Rückfahrt auf der Fähre ist schon lange vor dem Urlaub gebucht worden und ist erst in einer Woche.
Wir entscheiden uns weitere Pläne zu schmieden, wenn wir in Calvi ankommen.

Mit dem Trempen haben wir Glück. Schon nach kurzer Zeit werden wir mitgenommen. Zwar separat, da wir zu dritt nicht in einen Renault Twingo passen. Aber auch Joseph, der nach uns aufgeschnappt wird, kommt in Calvi an.

Calvi war das Ende unsere Reise. Den Entschluss, nach Bastia zu laufen, um die fünf Tage irgendwie zu verwenden, ließen wir fallen, da wir 130 Kilometer hätten laufen müssen. Und das auch noch auf Asphalt. Wir ließen uns leztzenendes Geld schicken, verbrachten zwei Tage auf einem Campingplatz in Calvi, um uns zu duschen und unsere Kleidung zu waschen uns suchten uns dann einen Platz am Strand, ca 5 – 6 Kilometer von Calvi entfernt, an dem wir die restlichen 4 1/2 Tage und Nächte verbrachten.
Chillen in Perfektion könnte man es nennen.
Nicht weit von unserem Strandplatz war eine Fallschirmspringer-Basis…
Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch…
Calvi…

Dann ging es per Bus (01.09.2010) wieder Nach Bastia wo um 0:00 Uhr unsere Fähre nach Livorno ablegte, die um 06:30 Uhr (02.09.2010) schließlich dort eintraf.  Von Livorno ging es dann wieder mit dem Auto zurück nach Deutschland.

Schlussgedanken, Tips…

Abschließend kann ich wohl behaupten, dass der GR 20 sich auf jeden Fall lohnt. Leider sind auf dem Weg ziemlich viele Wanderer unterwegs. Dem ein oder anderen könnte er deshalb „überlaufen“ sein. Das Wetter ist gut, die Leute sind sehr nett, man trifft viele interessante Menschen und auch die Übernachtungen auf den Hütten sind sehr günstig wenn man sein eigenes Zelt dabei hat.

In vielen Foren wir oft die Frage gestellt, ob man den GR 20 denn alleine laufen könne. Im Nachhinein kann ich das bejahen. Der Weg ist zwar anspruchsvoll und das Wetter kann brutal mitspielen, aber richtig gefährlich ist der Weg eigentlich nicht. Man kann es also durchaus tun. Es sind auch in der Hauptsaison (Mai – September) so viele Wanderer unterwegs, dass man auf Hilfe nicht lange warten müsste, sollte denn was passieren.
Dennoch ist Sicherheit auf solchen Wegen immer das erste Gebot und deswegen sollte man mindestens einen Mitwanderer dabei haben. Optimal sind zwei, denn dann kann einer beim Verletzen bleiben und der andere Hilfe holen. Auf Empfang bei Handys ist absolut kein Verlass! Es gibt dort unglaublich viele Funklöcher.

Es gibt auf  den Hütten selten die Möglichkeit, Akkus etc. aufzuladen (kein Stromnetz). Am besten ist, man bringt genug Ersatzakkus oder ein Solarladegerät.

Mehr infos gibts in verschiedenen Foren, wiz z.B. hier…
http://www.abenteuer-corsica.de/gr20.html

Ausrüstung…

Gute Ausrüstung ist das A und O.
Das wichtigste sind die Schuhe. Die täglichen Laufzeiten liegen zwischen 5 – 9 Stunden. Ich persönlich würde Wanderschuhe mit hohem Schaft wärmstens Empfehlen, denn sie geben viel Halt und Stabilität und schützen vor dem Umknicken.
Ich bin mit dem „Hanwag Yukon“ gelaufen, der sehr bequem und Trittsicher ist. Vor allem die Sohle dämpft sehr stark. Und da der Schuh aus Leder ist, ist er auch sehr robust, fängt nicht so leicht an zu stinken und lässt sich mit gutem Wachs absolut wasserdicht machen.
Meine Freunde sind mit Schuhen von Salewa gelaufen. Auch diese Gore-Tex schuhe haben hohen Tragekomfort, trocknen schneller als Leder und lassen sich leicht mit einem Spray wasserdicht machen. Alle drei Schuhe haben eine Vibram-Sohle, die sich langsam abnutzt und hohen Grip liefert.
Bei den Wanderschuhen sollte man auf keinen Fall sparen
. Wir hatten jeweils Schuhe zwischen 220 € (Salewa) und 250 € (Hanwag = Volleder).
Spezielle Wandersocken sind auch noch zu empfehlen. Die braucht nicht jeder
(Joe lief mit Wollsocken) aber sie erhöhen den Komfort und kühlen den Fuß.

Und vor allem auch Regenjacke und Regenhose sollte man dabei haben, sonst kann man (wie ich) böse und nasse Überraschungen erleben. Wanderschuhe trocknen nicht schnell und in nassen Schuhen zu laufen ist mit das unangenehmste was man sich vorstellen kann. Auch auf ein Erste-Hilfe-Kit sollte dabei sein. Genauso wie ein gutes verlässliches Messer.

Der Rucksack sollte groß genug sein und man sollte wissen, wie man ihn justiert. Unsere hatten zwischen 70 und 80 Liter. Regenschutz für den Rucksack nicht vergessen. Es ist besser, wenn man von vielen seiten an das Innere des Rucksacks herankommt, sprich z.B. von oben und von vorne.
Das Maximum für einen Rucksack sind ungefähr 19 Kilogramm (Männer)
und 15 Kilogramm (Frauen) – Mit Wasser-.
Meiner hatte 15 und das ist schon sehr anstrengend. Versucht ihn so leicht wie möglich zu halten.

Joar… so viel mal dazu. Falls noch jemand Fragen zum Weg oder Ausrüstung hat, kann er gerne ein Kommentar hinterlassen. Meine Packliste habe ich leider nicht mehr…

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2 Antworten zu GR 20 Korsika (2010) – Eindrücke

  1. Jan schreibt:

    Die Bilder sind echt gut. Da hat jemand Ahnung von Bildaufbau und Tiefenunschärfe :). Was habt ihr für eine Kamera/Objektiv benutzt?
    Noch eine andere Frage zu deiner Petzl-Stirnlampe. Welches Modell hast du?

    gruß

    Jan

    • wookieeenroute schreibt:

      Hallo Jan,

      da muss ich leider enttäuschen 🙂 Ich hatte damals null Ahnung vom Fotografieren, denn ich hatte die Kamera (Nikon D3000 / 18-55 mm Objektiv) extra für die Tour damals gekauft.

      Meine Stirnlampe war (und ist) eine „Petzl Tikka XP“ von 2010. Die wird mich auch diesen Sommer wieder über den GR20 begleiten 😀

      Gruß
      Quirin

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